Das Ende ist nahe

Jesaja hat schon vor vielen Jahrhunderten das heutige Schicksal Syriens vorausgesehen:

Jesaja 17:1 "Ausspruch über Damaskus. Seht hin: Damaskus verschwindet / und wird keine Stadt mehr sein, / es wird zu einem Haufen von Trümmern."



Also macht euch bereit. Sobald Obama losschlägt, wird es nicht mehr lange dauern. Wobei eigentlich Obama ein Diener Satans ist, wie dieses Foto mit seinen teuflischen Handzeichen beweist.

Ok, wer das ernst nimmt und nicht kapiert, dass Jesaja über die damalige Zeit spricht, der hat das AT nicht richtig gelesen. Aber wer will, kann fast in allem eine biblische Vorhersage und ein Zeichen für das Ende sehen: 9/11 sehr beliebt oder auch Ägypten:

Jesaja 19:1-2 "Ausspruch über Ägypten. Seht, der Herr fährt auf einer leichten Wolke daher; / er kommt nach Ägypten. Vor seinem Angesicht zittern die Götter Ägyptens, / den Ägyptern verzagt das Herz in der Brust. Ich hetze Ägypter gegen Ägypter / und sie kämpfen gegeneinander: Bruder gegen Bruder, Nachbar gegen Nachbar, / Stadt gegen Stadt, Gau gegen Gau."

Man darf allerdings nicht alle Verse in den jeweiligen Kapiteln lesen, sonst stimmt es wieder nicht mehr so ganz mit den heutigen Gegebenheiten überein.

Und traurige Nachricht für all diejenigen, die an ein baldiges Zweites Kommen Christi glauben. Es wird nicht geschehen. Die Jünger im Neuen Testament haben es geglaubt genauso wie es zu Zeiten Joseph Smiths diversen Geschwistern in ihren patriarchalischen Segen für ihre Lebenszeit verheißen war. Und genauso wenig, wie es damals vor der Tür stand, steht es heute vor der Tür. Und wohl auch nie in der Zukunft. Eigentlich schade, wäre schon irgendwie cool gewesen. Dann müssen wir unsere Probleme doch irgendwie selber lösen. Oh, und dann müssen wir uns ja doch wegen Klimawandel und so Gedanken machen. Dumm nur, dass man in Utahs Parlament beschlossen hat, dass der Klimawandel nur eine Verschwörung ist.

Polygamie zur Versorgung von älteren Witwen?


Man muss aber John Taylor schon verstehen: Der Ärmste war einsam. Er musste sich auf einer Farm vor den Deputies verstecken, weil er mehrere Frauen hatte und das verboten war. Auf ihn war ein Kopfgeld von 300 US Dollar ausgesetzt. Mal musste er sich dort als alte Frau verkleiden, mal im Heu verstecken, um sich dem Zugriff der Behörden zu entziehen. Außerdem war er altersschwach und kränklich. Und er bekam dort seinen geliebten schwarzen Kaffee nicht. Also Grund genug, die Tochter des Besitzers und ihm zugewiesene Pflegerin zu bezirzen. Dass sie nur einen Monat nach seiner Aufnahme auf der Farm heirateten, schmeckte zwar den jüngeren Brüdern nicht. Aber er hatte halt die besseren Argumente. Schließlich versprach er ihr quasi ewiges Leben, indem er dichtete: "Josephine, der Becher ist zum Greifen nah. Trink du das lebensnotwendige Balsam und lebe!" Und ihn selbst hat die Vermählung mit der attraktiven, jungen Josephine auch kurzfristig aufblühen lassen. Somit also mehr als menschlich. (siehe John Taylors Biographie 'The Last Pioneer' von Samuel W. Taylor)

Genauso stimmt es nicht, dass die Mehrehe dazu diente,
  • einen Überschuss an Frauen in Utah zu versorgen oder
  • mehr mormonische Nachkommen hervorzubringen.
Tatsächlich gab es im 19. Jahrhundert in Utah weitaus mehr Männer als Frauen, die Mitglieder der Kirche waren. 

Dies bestätigt John A.Widtsoe:
"Die Mehrehe hat Anlass für viel Gesprächsstoff gegeben. Mitglieder der Kirche, die mit deren Geschichte nicht vertraut sind und viele Nichtmitglieder, haben irreführende Gründe für den Ursprung des polygamen Systems unter den Heiligen der Letzten Tage aufgestellt. Die bekannteste unter diesen Hypothesen besagt, dass die Kirche durch die Polygamie Ehemänner für die große Überzahl von weiblichen Mitgliedern bereitstellen wollte. Die unterstellte Annahme in dieser Theorie, die besagt, dass es mehr weibliche als männliche Mitglieder in der Kirche gab, wird nicht durch bestehende Beweise unterstützt. Im Gegenteil, es scheint, als ob es immer mehr Männer als Frauen in der Kirche gab: 
Die Aufzeichnungen der Volkszählungen der Vereinigten Staaten von 1850 bis 1940 und alle verfügbaren Kirchenlisten zeigen einheitlich eine Mehrzahl von männlichen Einwohnern in Utah und in der Kirche." (John A. Widtsoe, Evidences and Reconciliations)


In der Ewigkeit bzw. im celestialen Reich mag das natürlich anders aussehen. Vielleicht kommen da tatsächlich mehr Frauen hin. Und da die überschüssigen celestialen Frauen nicht alle dienende Engel sein wollen, weil sie das vielfach schon zu Lebzeiten in ihren Familien waren, muss es halt die Mehrehe auch im Himmel geben. Klingt total logisch und nachvollziehbar. Aber dürfen die gesiegelten Frauen ihre Männer trotzdem bedienen? Was will ich denn sonst als Mann mit mehreren zickigen emanzipierten Weibern? Ich weiß auch nicht, ob Sex da so reizvoll ist, wenn man Dutzende Milliarden Bälger zeugen muss. Höchstens eigene Planeten mit abgefahrenen Dinos und so kreieren, macht bestimmt Spass. Wobei das auf Dauer auch nur in Routine und Langeweile ausartet. Muss ich mir schon wieder Tausend neue Käfersorten ausdenken?

Atheismus 2.0 - Religion für Atheisten

Interessanter Ansatz von Alain de Botton, der sekulare Tempel, elektronische Klagemauern usw. errichten und damit das Schöne und Gute der Religionen retten will, indem er die Wahrheitsfrage fallen lässt und religiöse Rituale sekularisiert:

„Die langweiligste und unproduktivste Frage, die man sich zu einer Religion stellen kann, ist die, ob sie wahr ist oder nicht.“

„Religionen sind insgesamt gesehen zu nützlich, effektiv und intelligent, um sie allein den Gläubigen zu überlassen.“

Die Frage sollte nicht lauten: Haben Religionen Recht? Die Fragen sollten sein: Wozu sind Religionen eigentlich gut? Warum gibt es sie? Wir sollten Antworten auf diese Fragen finden und sie analysieren. Wenn wir das tun würden, wäre das ein großer Fortschritt für unsere säkulare Gesellschaft.

„Die Weisheit der Religionen gehört allen Menschen, selbst den rationalsten unter uns, und sie verdient es, dass ihre besten Teile auch von den größten Gegnern des Übernatürlichen wieder aufgegriffen werden.“

„Der Ausgangspunkt aller Religionen ist dieser: Wir sind Kinder und wir brauchen Führung. Die säkulare Welt erachtet dies als Beleidigung. Sie betrachtet Erwachsene als reif und hasst deshalb jegliche Anleitung und moralische Vorschrift. Aber natürlich sind wir Kinder, große Kinder, die daran erinnert werden müssen, wie sie leben sollen. Das moderne Bildungssystem verweigert das. Es geht davon aus, dass wir vernünftig, einsichtig und kontrolliert agieren. Aber wir sind alle beinah immerfort an der Grenze zu Schrecken und Panik. In meinem Buch empfehle ich, dass wir die Kunst nutzen lernen als Quelle des Trostes, der Identifikation, der Führung, der Erbauung.“

„Wir Atheisten haben noch viel zu lernen, wie wir ein gutes Leben außerhalb von Religionen führen können.“

Es gab immer zwei Elemente in den Religionen. Das eine könnte man den Opium-Teil nennen, das anderen den Therapie-Teil. Sie unterscheiden sich so, wie sich das Übernatürliche von der Psychologie unterscheidet. Wenn versprochen wird, dass es ein ewiges Leben gäbe, dass Gott einem tatsächlich zuhört, dann wirkt das wie Opium. Die andere Seite enthält aber psychologische Weisheit. Das Zusammenkommen als Gemeinschaft, das gemeinsame Singen, sich gegenseitig zu helfen, die Menschen nicht nur für ihre Macht zu respektieren, sondern für sie selbst. Freundlich sein – diese Kennzeichen von Religionen existieren unabhängig vom Übernatürlichen. Die interessieren mich.

Also, alles nur Opium und Illusion? Heuchelei und Lügen, Unterdrücken von Information und Verfälschen von Fakten gehören sicherlich nicht zu den Aspekten des Mormonismus, die es wert sind, in eine sekulare Welt zu retten. Aber Aspekte der Gemeinschaft, gesunde Demut und Reflexion und anderes sicherlich schon. Der Opium-Teil ist leider bei den Mormonen sehr ausgeprägt.

Siehe auch:

http://www.sciscoop.com/atheism-2-0-dont-get-god-get-good.html (Video mit deutschen Untertiteln)

http://www.srf.ch/sendungen/sternstunde-religion/religion-fuer-atheisten-alain-de-botton-im-gespraech

http://www.scilogs.de/chrono/blog/hinter-grunde/allgemein/2013-05-18/religionen-intelligent-bestehlen-alain-de-bottons-religion-f-r-atheisten

http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/01/Religion-Atheisten/seite-3

Eine Frage des Glaubens



Fiktiver Dialog zwischen Mo, dem gläubigen Mormonen, und Hu, dem Humanisten (klingt irgendwie netter als Atheisten) und ehemaligen gläubigen Mormonen:

Mo: Details über die Kirchengeschichte, Fragen nach der Historizität von Buch Abraham und Buch Mormon oder menschlichen Fehlern und Schwächen von Kirchenführern sind für mich nicht relevant. Spielen keine Rolle für meine Errettung. Denn mir  hat der Heilige Geist bezeugt, dass die Kirche wahr ist. Und meine geistigen Erlebnisse sind mir mehr wert als irgendwelche so genannte Fakten, die wir sowieso nicht ultimativ klären können.

Hu: Woher genau weißt du, dass es der Heilige Geist war, den du wie ich annehme durch ein Brennen im Herzen oder ähnliches gefühlt zu haben annimmst?

Mo: Als ich den Geist verspürt habe, habe ich es einfach gewusst. Das Gefühl war so machtvoll und stark, dass ich es mir unmöglich bloß eingebildet haben kann.

Hu: Du weißt natürlich schon, dass Gefühle durch innere und äußere Einflüsse ausgelöst werden können und es kein objektives und konkretes Kriterium gibt, um zu sagen, dass dieses Gefühl, was ich jetzt verspüre, eindeutig von einer göttlichen Quelle herrühren muss. Wir können nicht einmal genau zwischen inneren und äußeren Auslösern unterscheiden. Außerdem hängen erlebte Gefühle von unseren Erwartungen und Ansichten ab. Wenn ein Wanderer bspw. im Wald einen Baumstumpf auf den ersten Blick für einen Bären hält, wird er – sofern er Bären als potenziell gefährlich erachtet - plötzlich starke Angstgefühle und Schrecken empfinden. Das heißt, sein Erlebnis hängt stark davon ab, wie er etwas wahrnimmt und was er damit assoziiert. Unabhängig von der Realität dahinter. Wir erleben die Welt um uns herum nicht so wie sie ist, sondern so, wie wir geprägt sind. Wenn Mitgliedern ab Kleinkindalter eingeimpft wird, wie heilig und besonders der Tempel ist, so ist es völlig natürlich, beim Anblick eines Tempels ein Gefühl von Frieden, Andacht und Ehrfurcht zu erleben. Denn das ist unsere Assoziation und Erwartung in Bezug auf einen Heiligen Ort, wie wir ihn gelernt haben. Genauso ist es natürlich, im Gottesdienst Transzendenz bis hin zu Ekstase zu erleben oder mit Menschen mitzufühlen, die von bewegenden Momenten und Erlebnissen in ihrem Leben berichten. Das hat nichts damit zu tun, dass Geist zu Geist spricht, sondern mit den Spiegelneuronen, die uns Empathie empfinden lassen. Und Kribbeln oder Gänsehaut am Körper kann man auch verspüren, wenn man ein vollbesetztes Fußballstadion betritt. Auch das hat nichts mit irgendeinem Heiligen Geist zu tun. Wenn ich Kindern beibringe, was alles sündhaft und schlecht ist, werden sie, wenn sie damit konfrontiert werden, natürlich ungute Gefühle empfinden. Das hat nichts mit Licht Christi, Heiligem Geist oder Einflüsterungen von bösen Geistern zu tun. Das ist doch mittelalterlicher Aberglaube. Dass in uns teilweise widersprüchliche Interessen, Wünsche und Gedanken konkurrieren, hat nichts mit einem natürlichen Menschen, der ein Feind Gottes ist, zu tun. Wir sind nun mal eigennützig und gleichzeitig sozial als „rudellebende Säugetiere“. In uns wirken unbewusste Triebe und Instinkte, unser Gehirn schüttet ein Cocktail aus Stoffen aus: Serotonin sorgt für Glücksgefühle, Adrenalin und Dopamin sorgen für den Antrieb usw. Unser Belohnungssystem sagt: „Iss Schokolade.“ Ist es aus wirklichem Genuss oder gelerntem Reflex auf Frust? Der Mormonenglaube hinsichtlich guten und bösen Gedanken und Gefühlen ist da einfach naiv, stupide, realitätsfremd und manipulativ.

Mo: Für mich ist Glauben aber mehr als nur ein diffuses Gefühl, sondern wirkliches göttliches Wissen und Erkenntnis.

Hu: Je mehr wir darüber lernen, wie unser Gehirn Informationen verarbeitet, desto skeptischer sollten wir sein, was das Gefühl des Wissens anbetrifft. Denn dieses ist tief mit unbewussten Vorgängen verbunden, die wie Liebe oder Wut unabhängig von der Vernunft funktionieren. Dafür kann das Gefühl, dass etwas richtig und real ist, wahnsinnig stark sein. So stark, dass es bei einer Konfrontation mit der Vernunft fast immer gewinnt. Denn unser Gehirn verarbeitet Informationen so, dass es unsere Gefühle rechtfertigt statt der Logik zu folgen. Wir überschätzen somit systematisch unsere Vernunft und unser kritisches Denkvermögen. Sich sicher sein, ist nur ein Gefühl und ist kein Beleg für Wahrhaftigkeit. Es kann bestehen bleiben selbst angesichts überwältigender gegenteiliger Beweise. Wie Psychologen herausgefunden haben, können Menschen mehr oder weniger alles glauben, vorausgesetzt, sie wollen oder wünschen es zu glauben. Das Gefühl einer Verbindung zu göttlichen Mächten und Personen kann durch spezifische soziale, kulturelle und emotionale Auslöser entstehen und ist real. Aber ist Gott damit auch real oder kann es sich um eine Illusion oder Selbsttäuschung handeln? Wie kannst du dir sicher sein, dass ein solches Gefühl von Gott stammt? Und genau beschreiben, welche Kriterien erfüllt sein müssen, um dieses richtig als Bezeugung Gottes zu deuten?

Mo: Es ist wie, wenn du Salz schmeckst. Kannst du dann etwa genau sagen, was es ist, und den Geschmack beschreiben?

Hu: Salz ist jedoch eine reale Substanz, die objektiv untersucht werden kann, ebenso wie unser Geschmackssinn. Übrigens kann unser Geschmackssinn getäuscht werden, etwa durch den Erwartungen widersprechende Färbungen. Wir können somit guten Gewissens behaupten, etwas über die Substanz Salz und den biologischen Vorgang des Schmeckens zu wissen, in Bezug darauf, wie göttliche Offenbarung sich manifestiert, wissen wir hingegen nichts. Es gibt keinen objektiven Maßstab, um richtige von falscher Offenbarung zu unterscheiden, ebenso wie es keinen Maßstab gibt, um natürliche menschliche Gefühle von angeblichen göttlichen Eingebungen zu unterscheiden. Wenn wir also glauben müssen, dass ein bestimmtes Gefühl von Gott stammt, um zu beweisen, dass Gott existiert, haben wir einen klassischen Zirkelschluss und wissen letztlich nichts, außer dass wir auf eine bestimmte Interpretation eines Gefühls angewiesen sind, um an Gott zu glauben.
Wir wissen nicht, wie wir göttliche Offenbarung verlässlich identifizieren können. Ganz zu schweigen davon,  erklären zu können, wie eine Kommunikation mit einem in einem anderen Universum oder einer anderen Dimension existierenden Wesen in Echtzeit und zeitgleich mit Milliarden anderer Menschen möglich sein soll. Handelt es sich stattdessen nicht einfach nur um theologische Interpretationen natürlicher Phänomene? Um Wunsch-induzierte Halluzinationen, Auto-Suggestion, hypnotische Erfahrungen, Erinnerung an unbewusste Kindheitsgefühle des Geborgenseins, neurologische Fehlfunktion, Einbildung o.ä.
Wenn du als Mormone die überwältigende Schönheit der Natur als Zeichen für die Existenz Gottes erlebst und ich als Atheist dasselbe Erlebnis als Zeichen für die Majestät der Natur ohne Gedanken an Gott, wer hat dann Recht? Anhand welcher Kriterien sollten wir dies entscheiden können? Es ist doch eine völlig beliebige Interpretation und Zuordnung. Unspezifische und ambivalente Gefühle können doch niemals als Belege für Wahrheit dienen.
Und wie erklärst du dir, dass Menschen unterschiedlichster Religionen und Glaubensvorstellungen sich auf nahezu identische spirituelle Erlebnisse berufen?

Mo: Wie Joseph Smith gelehrt hat, gießt der Herr seinen Geist in den Letzten Tagen über alle Völker aus,  um sein Werk voranzubringen und Fortschritte in der Technik und Wissenschaft voranzutreiben. Außerdem gibt der Heilige Geist von Wahrheit Zeugnis. Und auch in anderen Religionen findet sich Wahrheit wieder, die der Heilige Geist bezeugt. Mormonen behaupten ja nicht, exklusiven Zugang zum Heiligen Geist zu haben, nur was die Gabe des Heiligen Geistes anbetrifft, also das Anrecht auf ständige Begleitung durch ihn.

Hu: Wenn jede Art der menschlichen Inspiration auf Gott zurückgeführt wird - von Kolumbus über Luther bis hin zur Entwicklung von Computern und Flugzeugen - und jedes Gefühl des Wunderns, Erstaunens, der Inspiration, Erkenntnis und Transzendenz, gewinnt man letztlich nichts und hat keinerlei Kriterien zur Verifikation göttlicher Zeugnisse. Die Argumentation, in jedem Glaube stecke ein wenig Wahrheit und davon gebe der Heilige Geist nur jeweils Zeugnis, könnte ja genauso auf die Mormonen zutreffen. Es bleibt die Frage: Wie können wir wissen, dass irgendjemand mit Gott spricht? Und Gott zu irgendjemand?

Mo: Wahre persönliche Offenbarung wird niemals den Grundsätzen widersprechen, wie sie in den Heiligen Schriften und durch unsere lebenden Apostel und Propheten gelehrt wird. Das ist ein guter Orientierungspunkt.

Hu: Problem ist nur, dass Präsidenten der Kirche immer wieder vorherige Lehren verändert, weggelassen, uminterpretiert und sogar widerrufen haben wie die Adam-Gott-Theorie. Warum hat Gott nie im Vorfeld offenbart, dass sich diese Lehren ändern werden?

Mo: Apostel und Propheten sind alle nur Menschen. Wir dürfen von ihnen keine Vollkommenheit im Verständnis und der Kommunikation göttlicher Wahrheit erwarten.

Hu: Der einzige Weg, um zu erfahren, ob eine Aussage von Kirchenführern göttlich inspiriert, richtig verstanden und kommuniziert wurde, ist also, wenn diese später nicht mehr revidiert wird. Das heißt aber im Umkehrschluss: Jede Aussage von Kirchenführern ist latent falsch bzw. fehlerhaft. Was ist dann aber die vermeintlich wahre Offenbarung wert?

Mo: Dafür hat dann wiederum jedes Mitglied Anrecht auf die Bestätigung durch den Heiligen Geist. So muss und sollte kein Mitglied blind den Kirchenführern folgen.

Hu: Glaube wird in der Kirche als irreversible Entscheidung erachtet, die man nicht kritisch in Frage stellt. Es wird gelehrt, mit der Taufe habe man ein Versprechen abgegeben, Gott gegenüber loyal zu bleiben, das man nicht ungestraft brechen kann. Dadurch wird massiver Druck ausgeübt, ebenso durch hervorrufen von Scham- und Schuldgefühle, indem jedweder Zweifel verteufelt wird. Zweifel wird als Glaubensschwäche dargestellt und als Zeichen der Abkehr von Gott und verursacht durch die Einflüsterungen Satans. Mormonen wird von Klein auf beigebracht, dass gute Gefühle, die sie in Versammlungen beim Singen oder Hören von Zeugnissen, beim Lesen Heiliger Schriften, beim Gebet verspüren, als Belege für die Wahrheit der Kirche zu verstehen sind. Und schlechte Gefühle als vom Teufel stammend oder als Warnung vor Bösem. Darüber hinaus wird gelehrt, dass keinerlei Information, Fakten oder Belege jemals die Wahrheit der Kirche widerlegen könnten. Damit Mitglieder bloß nicht ihren Glauben verlieren, müssen sie ständig auf der Hut sein, müssen sich und einander unablässig versichern, dass alles wahr ist. Du darfst dich nie ernsthaft fragen, ob du dich täuschst, ob du in die Irre geführt wurdest. Ja, du wirst sogar ermutigt, Dinge als wahr zu bezeugen, die du noch gar nicht selber als wahr erkannt hast. Wenn das man keine Form der Manipulation und Bewusstseinskontrolle ist.
Und du musst auch zugeben, dass in Ansprachen weniger die Fehlbarkeit von Kirchenführern betont wird als deren direkter Draht zum Himmel – a la „Folgt dem Propheten!“, „Der Prophet kann sein Volk nicht in die Irre leiten!“…
Apropos blinder Glaube und Gehorsam: Kannst du ehrlich sagen, dass Gott nicht das von dir verlangen könnte, was er vermeintlich von Abraham, Nephi oder Joseph Smith verlangt hat: nämlich entgegen den eigenen Moralvorstellungen zu handeln und anderen Menschen offensichtlichen Schaden zuzufügen? Würdest du nicht alles tun, wovon auch immer du überzeugt bist, dass Gott es von dir fordert? Bist du wirklich gegenüber Extremismus und Fanatismus gefeit?

Mo: Also jetzt mach mal einen Punkt! Du kannst uns Mormonen doch nicht als gefährlichen, schädlichen Kult darstellen, der Gehirnwäsche praktiziert und Andersgläubige verfolgt.

Hu: Zunächst einmal sollten wir festhalten, dass Mormonen behaupten, Kenntnis und Wissen von absolut verlässlichen ewigen Wahrheiten zu haben, obwohl sie sich nicht ernsthaft auf unfehlbare Schriften, Offenbarung oder Autoritäten berufen können. Glaube kann so unmöglich als Quelle von Wissen dienen. Jede Glaubensvorstellung müsste eigentlich als unsicher und fehleranfällig verstanden werden. Der Glaube beruht demnach nicht auf vernünftiger Auseinandersetzung mit den religiösen Aussagen. Stattdessen gründet sich dieser ausschließlich auf dem subjektiven Empfindung von Sinnhaftigkeit. Es ist alles nur Intuition und subjektive Interpretation von Emotionen. Und selbst wenn wir verlässlich wüssten, ob eine Erfahrung von Gott stammt, was genau wissen wir dann aufgrund dieses Erlebnisses? Denn doch allerhöchstens, dass irgendwas Wahres an den religiösen Vorstellungen dran ist. Nichts mehr und nichts weniger, wenn man bedenkt, dass Gläubige aller Arten von Religionen sehr ähnliche Erlebnisse für sich in Anspruch nehmen. Selbst für vermeintliche Erscheinungen und Stimmen gibt es mittlerweile natürliche Erklärungen. Psychologen haben beispielsweise gezeigt, dass starke Gefühlserlebnisse die Fähigkeit beeinträchtigen, die innere Stimme korrekt einzuordnen. Es gibt also keine konkreten Belege dafür, dass unsere Interpretation, ein spirituelles Erlebnis oder Gefühl stamme von Gott, richtig ist. Und wir können nicht wissen, falls es von Gott stammen sollte, was es konkret als wahr bezeugt. Warum wird dann in der Kirche so sehr auf Glaube verwiesen? Wie kann man auf so einer wackligen und fragwürdigen Grundlage deutlich gegenteilige Belege beiseiteschieben? Du musst dich deshalb auf Glauben berufen, weil es keine rationalen Gründe für die eigenen Überzeugungen gibt. Du vertraust auf etwas, obwohl es keine Belege gibt. Du erachtest etwas Absurdes für wahr. Du sprichst deshalb von Glauben, weil du Belege durch Emotionen ersetzen willst. Obwohl es nicht vernünftig ist, glaubst du. Obwohl du deinen Glauben nicht erklären und rechtfertigen kannst, glaubst du. Du glaubst an deinen Glauben. Glauben an Glauben ist aber sinnbefreit und doppelt irrational. Glaube hat nichts mit Wahrheit zu tun, sondern ist vielmehr Ausdruck deiner Entscheidung, deiner Liebe, Hingabe, deinem Vertrauen und persönlichen Verpflichtung. Ohne Sinn und Verstand. Reines Wunschdenken.

Mo: Falsch! Das Evangelium macht sehr wohl Sinn und gibt als einziges Antworten auf die wichtigen Fragen des Lebens: Woher kommen wir? Warum sind wir hier? Was passiert nach dem Tod? Und Belege gibt es sehr wohl: Beispielsweise die Zeugen des Buch Mormons.

Hu: An der Oberfläche hast du Recht macht das Evangelium scheinbar Sinn. Hinterfragt man es jedoch, so fällt die Sinnhaftigkeit zusammen wie ein Haus aus Karten. Zum Beispiel: Warum sollte Glauben an Jesus Christus und an sein Sühnopfer notwendig sein, um errettet zu werden? Wir wissen nicht, wem wir und was wir für unsere so genannten Sünden schulden (außer denjenigen, denen wir möglicherweise Schaden zugefügt haben). Warum soll also das Sühnopfer notwendig sein? Warum kann Gott uns nicht einfach so vergeben, wenn er doch allmächtig ist? Und was genau war am Tod Christi notwendig, dass es ermöglicht, dass wir nach dem Tod wieder einen Körper erhalten können? Und wenn Gott selber gewissen ewigen Gesetzen gehorchen muss, was sind diese Gesetze und was macht sie ewig? Wie sollen wir an die Auferstehung glauben, wenn es dafür nicht einmal ansatzweise Belege gibt, ausgenommen sehr fragwürdigen und widersprüchlichen Berichten in der Bibel sowie durch Joseph Smith und seine Anhänger oder den natürlich erklärbaren Nahtoderlebnissen? Ist es vernünftig zu glauben, dass unsere auferstandenen Körper so aussehen wie unsere derzeit sterblichen? Wo doch unser Aussehen auf unsere individuellen Genmischungen über Eltern, Großeltern usw. zurückgehen? Oder gab es bei der Geistkinderzeugung im Himmel ähnliche genetische Vorgänge beim Gebären unsere Geistkörper wie hier auf der Erde? Wenn Menschen all dies so absurd finden, dass sie einfach nicht oder nicht mehr glauben können, wie können sie dafür verurteilt und verdammt werden?

Mo: Von Verdammung kann doch keine Rede sein. Fast alle Menschen werden in den Himmel kommen und einen Grad der Herrlichkeit empfangen.

Hu: Schon, aber wer will schon dienender Engel werden? Und wie erklärst du dir, dass die wenigsten Gebete beantwortet werden?

Mo: Manchmal lautet die Antwort eben „nein“ oder „jetzt noch nicht“. Denn Gott gibt uns, was für uns am besten ist, und das ist nicht immer das, wofür wir ihn bitten. Und manche Gebete werden auch nicht erhört, weil der oder die Betende nicht ausreichend demütig und gläubig ist oder sich nur in Notfällen an Gott wendet.

Hu: Das ist doch alles Unsinn. Beantwortete Gebete lassen sich auch natürlich erklären: Zufall, Anstrengung, Placebo-Effekte, selbsterfüllende Prophezeiung. Und wir behalten nur die Fälle im Kopf, in denen ein vermeintlicher Segen nach einem Gebet eintrifft und ignorieren die vielen Fälle, wo nichts passiert. Dann sollte es einfach nicht sein, war nicht gut für uns oder es war halt ein Test? So kann Gott nie verlieren. Letztlich rührt unser Bedürfnis nach Beten dem abergläubischen Wunsch nach Kontrolle und Einfluss auf unser Schicksal, gepaart mit dem unterbewussten, infantilen Bedürfnis nach Liebe, Akzeptanz, Schutz, Sinnhaftigkeit sowie Angst vor dem Tod. Wir projizieren unsere kindlichen Wunschvorstellungen auf einen liebenden Vater-Gott. Daher greift kein Gott ein, wo es das größte Leiden gibt, wo Kinder auf grausigste Weise millionenfach pro Jahr elendig verhungern.

Mo: Es ist sicherlich auch nicht leicht für Gott, das mit ansehen zu müssen, aber er darf nun einmal nicht in die Entscheidungsfreiheit der Menschen eingreifen, ohne den gesamten Plan zu zerstören.

Hu: Und deshalb hilft er wohl nur bei verloren gegangenen oder verlegten Schlüsseln und ähnlichem? Ich kann nicht begreifen, dass sich ein liebender Vater im Himmel systematisch vor seinen Kindern verstecken sollte. Was mir am meisten während meiner Dekonversion zu denken gegeben hat, waren weniger die Ungereimtheiten in der Kirchengeschichte oder im Buch Mormon, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass sich Joseph Smith genau so verhalten hat, wie man es natürlich von einem christlichen Sektenführer mit seinem Hintergrund erwarten durfte. Und die Mormonenkirche hat sich dann genau so etabliert und institutionalisiert, wie man es natürlich erwarten durfte, genauso wie die Entwicklung von den heidnischen Kriegsgöttern der israelitischen Bergvölker zum Monotheismus und nachher Christentum vollkommen natürlich im historischen Umfeld erklärbar ist. Ohne Gott macht alles viel mehr Sinn und man muss nicht krampfhafte Erklärungsversuche bemühen, um Josephs Liaisons, abgekupfertes Freimaurertum, Dinosaurierknochen, fehlende Schwerter in Mesoamerika usw. zu rechtfertigen.

Mo: Damit Glauben möglich ist, dürfen die Fakten nicht eindeutig sein. Es muss glaubhafte Argumente dafür und dagegen geben, so dass man sich frei für den Glauben entscheiden kann.

Hu: Nein, die Faktenlage ist nicht ausgeglichen. Zu glauben, dass der Schöpfer des Universums jeden unserer Gedanken kennt, ist genauso absurd wie die Idee, dass er mit uns kommuniziert, indem der Regen in Morsecode auf unser Fensterbrett tropfen lässt. Die Aussage „Es gibt den Osterhasen“ ist nicht gleich wahrscheinlich wie die Aussage „Es gibt keinen Osterhasen“. Nur weil es nicht gänzlich auszuschließen ist, dass es einen Gott gibt, weil man nicht beweisen kann, dass es etwas nicht gibt, ist es noch lange nicht wahrscheinlich und realistisch, dass es ihn gibt. Die pure Möglichkeit heißt noch lange nicht Wahrscheinlichkeit. Denkbar ist so gut wie alles. Das Universum könnte sich auch im Magen eines riesigen Pandabären oder vielleicht auch Ameisenbären befinden. Die Unmöglichkeit dessen zu beweisen, dürfte schwer fallen. Aber nur für den Fall, dass es diesen riesigen Panda- oder Ameisenbären tatsächlich gibt, diesen jetzt anzubeten und seltsame Unterwäsche zu tragen… Ich weiß nicht.

Mo: Sei bitte nicht respektlos. Denke mal daran, wie viel Gutes die Kirche bewirkt, wie vielen Menschen ihr Glaube Trost und Hoffnung gibt, wie es ihnen eine moralische Richtschnur ist. Ohne Glauben ist das ganze Leben doch sinn- und trostlos. Der Gedanke, nur ein Zufallsprodukt der Physik und Biologie zu sein, ist doch schrecklich.

Hu: Die Nützlichkeit eines Glaubens sagt nichts über dessen Wahrheitsgehalt aus. Wenn ich eine Religion ins Leben rufen würde, die die Zahnfee verehrt, könnte dies die Zahnhygiene fördern. Es bliebe jedoch dennoch eine Lüge oder Illusion.
Ob Mitglieder tatsächlich in ihrem Glauben so viel glücklicher sind, wenn man mal hinter die Fassaden und das sonntägliche Schaulaufen schaut, ist so eine Frage. Auch hier spielt sicher Auto-Suggestion eine große Rolle. Wenn man immer gesagt bekommt, wie gesegnet glaubenstreue Mitglieder sind, muss man sich ja zwangsweise als glücklich erklären, egal, ob man es tatsächlich ist.
Und man muss den potenziellen Schaden betrachten, den der Mormonenglaube mit sich bringt. Ein dogmatisches Regelwerk zweifelhaften Ursprungs wird uns als absoluter Wille Gottes verkauft. Mit Schuld- und Schamgefühlen werden wir in Schach gehalten und mit der Aussicht auf eine ewige, im Himmel glücklich wiedervereinte Familie geködert. Wer will schon seine Kinder und Ehepartner verlieren? Und dann wird noch unser tief in uns verankertes Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung durch unsere Eltern missbraucht, indem uns suggeriert wird, wir hätten himmlische Eltern, die wir doch wohl nicht enttäuschen wollen! Diese psychologische und emotionale Manipulation funktioniert unglaublich raffiniert unterschwellig und ist schwer zu durchschauen und zu durchbrechen. So opfern Mitglieder enorm viel Zeit und Geld und wollen nicht wahrhaben, dass sich die obersten Kirchenführer Villen und Wochenendhäuser im Wert von Millionen Dollar errichten, dass sie das Bild von Joseph Smith und den Ursprüngen der Kirche bewusst schönfärben, um die Mitglieder bei der Stange zu halten. Entsteht dadurch tatsächlich Schaden? Sicher leiden viele Mitglieder am Gefühl, nicht gut genug zu sein. Zweifeln an sich, weil Gebete nicht erhört und Priestertumssegen nicht in Erfüllung gehen. Sicher leiden viele an emotionalem Missbrauch durch das patriarchalische System. Sicher leiden Mitglieder über die Maßen mit homosexuellen Neigungen.
Klar, die meisten moralischen Werte sind gut und lobenswert. Ob kniefreie Hosen oder schulterfreie Tops, mehr als ein Ohrring pro Ohr, grüner Tee usw. Gott missfallen? Jede fundamentale, patriarchalische ist potenziell gefährlich: Was wenn doch wieder die Mehrehe eingeführt wird? Oder sonst ein Wahnsinn?
Wie viele Ehepartner und Eltern leiden unnötig, weil sich der Partner oder das Kind von der Kirche bewusst befreit oder inaktiv wird und sie glauben, sich nun noch mehr anstrengen zu müssen, um diese verlorenen Schafe zurück zu lieben oder zurück zu beten. Weil Kirche mit Familie gleichgesetzt wird, ist die ganze Familie betroffen.
Da bevorzuge ich es doch, mir meine eigenen Gedanken zu machen. Aus mir selbst heraus Gutes zu bewirken, ohne eine göttliche Belohnung oder ewigliche Strafe im Hinterkopf zu haben. Sinn in meiner Familie zu finden, das Leben zu genießen… Dafür brauche ich kein Gottesmärchen, muss mich nicht von einer kirchlichen Institution belügen lassen und Angst davor zu haben, mich mit kritischen Fragen auseinanderzusetzen oder die Arroganz besitzen, ohne ernsthafte Basis zu behaupten, ich sei im Besitz der vollen Wahrheit…

Wer ist der Gott der Mormonen?



Lehre und Bündnisse lehrt uns, dass Gott unbegrenzt, ewig und unveränderlich ist, dass er uns aus Intelligenzen gezeugt hat und wir dereinst Götter wie er werden können. Joseph Smith hat darüber hinaus auch gelehrt, dass Gott dereinst ein Mensch war wie wir. Außerdem lernen wir, dass Gott zwar durch ewige Gesetze begrenzt ist, einen endlichen Körper besitzt und auf einem bestimmten Planeten weilt, er andererseits aber alles mit seiner Macht durchdringt und erhält, allwissend und allmächtig, vollkommen gut und gerecht ist. Wobei es unklar ist, ob Allwissenheit bedeutet, dass Gott schon genau die Zukunft kennt und sieht oder nur gut voraussagen kann.

Wenn es also einen Zeitpunkt gegeben haben muss, an dem nur Materie und Intelligenzen existiert haben, wie sind dann Menschen und Planeten entstanden, aus denen dann Götter erwachsen konnten? Aber ohne Götter-Paare keine Geistkinder, keine Menschen und keine Götter. Und um Gott zu werden, muss man ja vorher Mensch gewesen sein. Wenn Menschen aber nur durch Götter gezeugt werden können, geht das ja nicht. Insofern macht das ganze Konstrukt von ewigem Fortschritt keinen Sinn, da es immer den Menschen und einen bereits existierenden Gott gleichzeitig voraussetzt.

Auch ist es logisch unmöglich, dass ein Wesen mit endlichem Wissen durch Vermehrung von Wissen irgendwann unendliches Wissen erlangt. Unendlichkeit kann niemals durch Kombination von Begrenztheit entstehen, es sei denn, man geht von einer Grenze aus, wonach es kein zusätzliches Wissen mehr geben kann.

Weiterhin rational widersprüchlich ist die Entwicklung des Gottesbilds von einer anfangs schwachen Form von Anthropomorphismus, also dem Zusprechen menschlicher Eigenschaften, hin zu einer sehr starken anthropomorphen Vorstellung Gottes. Gott hat einen Körper wie wir, lebt als Mann-Frau-Paar mit Kindern, die sie zeugen usw. Andere Christen haben ja ein sehr viel metaphysischeres Bild, wonach Gott eher als Energie und Macht oder Liebe verstanden wird. Im Mormonentum wurden nun aber beide Ideen kombiniert. Somit soll Gott sowohl auf einen bestimmten Ort begrenzt und gleichzeitig im ganzen Universum präsent sein.

Wir glauben daher eine Vorstellung davon zu haben, wenn wir über Gott als Person oder Vater sprechen. Tatsächlich haben wir aber nicht ansatzweise eine Idee davon, was es bedeutet, dass Gott unser Vater sein soll. Wir können hier nur auf Vergleiche zu irdischem Vatersein zurückgreifen, was allerdings vollkommen absurd ist. Letztlich müssen wir zugeben, dass wir eigentlich nichts über das Wesen wissen, was wir anbeten und verehren.

Was ist denn ein auferstandener Körper, in dem kein Blut fließt sondern irgendwelches Geistzeugs. Und warum soll der so aussehen wie der unsere mit ebenso reduzierter Körperbehaarung, fünf Fingern, gekrümmtem Rückgrat usw. Alle Aspekte, die wir wunderbar evolutionär erklären können, sollen uns in der Ewigkeit begleiten, aber ohne den evolutionären Grund und die irdische Funktion? Warum benötigt Gott beispielsweise einen ähnlich geformten Kiefer wie wir oder Fingernägel?

Oder auf einer abstrakteren Ebene, wie kann er sowohl ewig und unveränderlich und gleichzeitig erschaffen worden sein und an Herrlichkeit zunehmen? Wie kann er alles durchdringen und an einem Ort sein? Alles mit Energie und Licht erfüllen, allmächtig sein usw.? Klingt doch sehr nach metaphysischer Spekulation und reinen Worthülsen (Intelligenzen, Geistkinder, Materie, Licht Christi…).

Ein anderer Aspekt ist die in unseren Intelligenzen gegebene Natur des Bösen. Um zu erklären, warum es das Böse in der Welt gibt, obwohl Gott ja nur gut ist, weisen ja Mormonen darauf hin, dass Gott nichts für die Intelligenzen, also sozusagen unser Rohmaterial, kann. Nur dadurch, dass Gott uns hier auf der Erde prüft und Erfahrungen sammeln lässt, kann er unsere vermeintlich böse Natur zum puren Gutsein verändern. Demnach muss jedoch auch in Gott eine ursprünglich böse Natur schlummern bzw. vorhanden gewesen sein.

Woher wissen wir eigentlich, dass Gott - sofern es ihn tatsächlich gibt - nicht auch ein wenig böse und unvollkommen ist? So richtig super erscheint sein Plan der Erlösung ja nicht, wenn schon einmal ein Drittel dem Rivalen Satan folgen. Wobei schon komisch ist, dass sich das Böse in seiner Gegenwart so ausbreiten konnte und dass seine Stimme und Rat von so vielen ungehört blieb und sie sich sogar dagegen auflehnten. Zumindest kann man logisch nicht ausschließen, dass Gott fähig ist, ungerecht und lieblos oder auch nur unvollkommen zu handeln.

Und auch in Sachen Erschaffung von Welten und Lebewesen sind effizientere Vorgehensweisen denkbar. Wobei generell die naturwissenschaftliche Erklärung sinniger und wahrscheinlicher klingt. Oder war die Evolution nur Gottes Schöpfungsmethode? Hat er die Evolution etwa nur im Hintergrund irgendwie gesteuert? Oder ist er mal hier und da direkt eingeschritten etwa als es darum ging, den Mensch zu schaffen? Und wann genau betritt der Geist den menschlichen Körper? Mit der Zeugung, kurz vor der Geburt oder irgendwann dazwischen? Und wie ist der Zusammenhang zwischen Geist und Gehirnvorgängen? Und wie konnte Gott durch Maria einen Sohn zeugen, der ganz Mensch und ganz Gott sein konnte? Was heißt das überhaupt?

Wäre doch toll, wenn unsere 15 Propheten, Seher und Offenbarer da die eine oder andere Frage beantworten könnten. Aber das ist ja alles nicht wesentlich für unsere Errettung...

Ach, und warum braucht es eigentlich den Heiligen Geist, wenn Gott doch alles durchdringt? Oder kann er doch nicht überall hin mit seinem physischen Körper? Merkwürdig. Und bleibt unsere Mutter im Himmel wirklich nur so im Hintergrund, weil Gott Vater sie nicht dem Spott von Atheisten und Gotteslästern aussetzen will? Sind celestiale Frauen so verletzlich? Oder sind die einfach nur zu beschäftigt mit dem Geistkinderzeugen? Ohne respektlos zu sein, aber wir wissen doch wirklich verdammt wenig über das ganze Gottsein und -getue.

Hütet euch vor falschen Propheten und falschen Lehren



M. Russell Ballard, Generalkonferenz Oktober 1999 in Auszügen:

"... Als Apostel des Herrn Jesus Christus sind wir verpflichtet, Wächter auf dem Turm zu sein und die Mitglieder zu warnen, damit sie sich vor den falschen Propheten und den falschen Lehrern, die auf der Lauer liegen, um den Glauben und das Zeugnis zu zerstören, hüten. Wir warnen Sie heute: es treten falsche Propheten und falsche Lehrer auf, und wenn wir nicht Acht geben, werden sogar treue Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ihnen zum Opfer fallen.
[...]
Hüten wir uns also vor falschen Propheten und falschen Lehrern, Männern und Frauen, die selbsternannte Verkündiger der Lehren der Kirche sind--darauf aus, ihr falsches Evangelium zu verbreiten und Anhänger zu finden, indem sie Symposien veranstalten und Bücher und Zeitschriften unterstützen, deren Inhalt grundlegende Lehren der Kirche in Frage stellt. Hüten Sie sich vor Menschen, die Dinge reden und veröffentlichen, die dem, was die wahren Propheten Gottes sagen, widersprechen und die aktiv versuchen, andere für sich zu gewinnen, ohne Rücksicht auf das ewige Wohlergehen derer zu nehmen, die sie auf diese Weise verführen. Wie Nehor und Korihor im Buch Mormon stützen sie sich auf schlaue Argumente, um andere zu täuschen und sie von ihren Ansichten zu überzeugen. Sie stellen sich selbst der Welt als Licht hin, um von der Welt Gewinn und Lob zu ernten; aber sie trachten nicht nach dem Wohlergehen Zions (siehe 2 Nephi 26:29).
Vor solchen Menschen hat Präsident Joseph F. Smith gewarnt, als er von den "Stolzen und Eingebildeten" sprach, die im Schein ihrer Selbstherrlichkeit lesen, die die Regeln auslegen, wie es ihnen gefällt, die sich selbst zum Gesetz werden und sich damit zum alleinigen Richter über ihr Handeln aufschwingen" (Gospel Doctrine, 381).
Ich möchte Ihnen ein paar Beispiele für die falschen Lehren derer nennen, die "im Schein ihrer Selbstherrlichkeit lesen", "die immer lernen", aber "doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen können" (2 Timotheus 3:7).
Falsche Propheten und falsche Lehrer sind diejenigen, die verkündigen, der Prophet Joseph Smith sei ein doppelzüngiger Betrüger gewesen. Sie stellen die erste Vision als authentisches Erlebnis in Frage. Sie verkündigen, das Buch Mormon und andere kanonische Werke seien keine heiligen Schriften aus alter Zeit. Sie versuchen auch, das Wesen der Gottheit neu zu definieren, und sie leugnen, dass Gott seinen ordinierten und bestätigten Propheten Offenbarungen gegeben hat und ihnen weiterhin Offenbarungen gibt.
Falsche Propheten und falsche Lehrer sind diejenigen, die auf arrogante Art und Weise versuchen, die heiligen Schriften neu auszulegen, um zu demonstrieren, dass diese heiligen Texte nicht als Gottes Wort an seine Kinder zu verstehen seien, sondern bloß als Äußerungen uninspirierter Menschen, die durch ihre Vorurteile und ihre kulturelle Prägung eingeschränkt waren. Sie argumentieren deshalb, die heiligen Schriften bedürften einer neuen Auslegung und sie allein seien dafür qualifiziert, diese Auslegung vorzunehmen.
Am Verdammenswertesten ist es vielleicht, dass sie die Auferstehung und das Sühnopfer Christi leugnen und behaupten, kein Gott könne uns erretten. Sie akzeptieren nicht, dass wir einen Erretter brauchen. Kurzum, diese Lästerer versuchen, die Lehren der Kirche neu auszulegen, so dass sie ihren Vorstelllungen entsprechen, und leugnen dabei Christus und sein Messiassein.
Falsche Propheten und falsche Lehrer sind diejenigen, die versuchen, die von Gott gegebenen und auf den heiligen Schriften beruhenden Lehren zu ändern, die die Heiligkeit der Ehe, die göttliche Natur der Familie und die wesentliche Lehre von der sittlichen Reinheit schützen. Sie befürworten eine neue Definition von Sittlichkeit, um Unzucht, Ehebruch und homosexuelle Beziehungen zu rechtfertigen. Manche treten offen für die Legalisierung sogenannter "gleichgeschlechtlicher Ehen" ein. [...]
Ungeachtet dessen, welche speziellen falschen Lehren sie verbreiten, die falschen Propheten und falschen Lehrer sind ein unvermeidbarer Teil der Letzten Tage. "Es erheben sich immer falsche Propheten, die den wahren Propheten entgegenarbeiten", so der Prophet Joseph Smith (Lehren des Propheten Joseph Smith, 371).
Es gibt aber in der Kirche des Herrn keine "loyale Opposition". Man ist entweder für das Reich Gottes und verteidigt die Propheten und Apostel Gottes, oder man ist dagegen. [...]"


Wenn wir Brigham Young und John Taylor an dieser Aussage messen, waren dies dann falsche Propheten?



„Seit Gründung des Römischen Reiches hat sich Monogamie stärker durchgesetzt als in vorhergehenden Zeiten. Die Gründer dieses alten Imperiums waren Räuber und Frauendiebe und machten Gesetze, die die Monogamie in Folge der Knappheit der Frauen unter ihnen begünstigten. Und damit ist dieses monogame System, das jetzt in der ganzen Christenheit vorherrscht, eine so fruchtbare Quelle der Prostitution und Hurerei durch alle christlichen monogamen Städte der Alten und Neuen Welt hinweg, bis Fäulnis und Verfall die Wurzel ihrer Institutionen sowohl national als auch religiös befällt.“ (Brigham Young Journal of Discourses, Vol. 11, p. 128)

„Monogamie beziehungsweise die Einschränkungen durch das Gesetz auf eine Frau ist kein Teil der Menschen im himmlischen Reich. Ein solches System wurde von den Gründern des römischen Reiches begonnen .... Rom wurde die Mätresse der Welt und führte diese Ordnung der Monogamie ein, wo ihr Einfluss anerkannt wurde. So ist diese monogamen Ordnung der Ehe, so geschätzt von modernen Christen als heiliges Sakrament und göttliche Institution, nichts anderes als ein durch eine Gruppe von Räubern begründetes System.... Warum glauben wir an und praktizieren Polygamie? Weil der Herr dies seinen Dienern in einer Offenbarung an Joseph Smith angewiesen hat, und die Diener des Herrn es schon immer praktiziert haben.“ (Brigham Young, The Deseret News, August 6, 1862)

„Das Eine-Frau-System degeneriert nicht nur die menschliche Familie, sowohl physisch als auch intellektuell, es ist auch völlig unvereinbar mit philosophischen Vorstellungen von Unsterblichkeit, es ist ein Köder der Versuchung und hat sich immer als Fluch für ein Volk erwiesen.“ (John Taylor, Millennial Star, Vol. 15, p. 227)

Andererseits können uns Brigham Young und John Taylor aber nicht in die Irre geführt haben, denn Wilford Woodruff hat ja klargestellt:

„Der Herr wird niemals zulassen, dass ich oder irgendein ein anderer Mann, der als Präsident dieser Kirche dasteht, Sie in die Irre führt. Das ist nicht Teil des Plans. Das hat Gott nicht im Sinn. Wenn ich das versuchte, würde der Herr mich von meinem Platz entfernen, und das wird er auch mit jedem anderen tun, der versucht, die Menschenkinder von den Aussprüchen Gottes und von ihrer Pflicht weg in die Irre zu führen.“ (Amtliche Erklärung – 1, „Auszüge aus drei Reden des Präsidenten Wilford Woodruff in Bezug auf das Manifest“.)

Kann es sein, dass es sich um einen Zirkelschluss mit doppeltem Widerspruch handelt? Gut, dass wir von Elder Costa auf der Generalkonferenz im Oktober 2010 über folgende Prinzipien - insbesondere Punkt 8 - aufgeklärt wurden:


„Erstens: Der Prophet ist der Einzige, der in allen Belangen für den Herrn spricht.“ (1980 Devotional Speeches of the Year, 1981, Seite 26.)
Zweiter Grundsatz: „Der lebende Prophet ist für uns wichtiger als die Standardwerke.“ („Fourteen Fundamentals“, Seite 26.)
Dritter Grundsatz: „Der lebende Prophet ist für uns wichtiger als ein toter Prophet.“ („Fourteen Fundamentals“, Seite 27.)
Vierter Grundsatz: „Der Prophet wird die Kirche niemals in die Irre führen.“ („Fourteen Fundamentals“, Seite 27.)
Fünfter Grundsatz: „Der Prophet kann jederzeit über ein beliebiges Thema sprechen oder in einer beliebigen Sache etwas unternehmen, ohne dass er dazu eine spezielle weltliche Ausbildung oder irgendwelche Diplome bräuchte.“ („Fourteen Fundamentals“, Seite 27.)
„Sechstens: Der Prophet muss nicht sagen: ,So spricht der Herrʻ, damit seine Worte zu heiliger Schrift werden …
Siebtens: Der Prophet sagt uns, was wir wissen müssen, nicht immer das, was wir wissen wollen.“(„Fourteen Fundamentals“, Seite 27f.)
Achter Grundsatz: „Für den Propheten gelten nicht die Grenzen menschlicher Vernunft. …
„Neuntens: Der Prophet kann Offenbarung zu jeder Frage empfangen, sei sie zeitlich oder geistig. …
Zehntens: Der Prophet kann sich durchaus zu politischen Angelegenheiten äußern. …
Elftens: Zwei Gruppen fällt es am schwersten, dem Propheten zu folgen: den Stolzen, die gebildet sind, und den Stolzen, die reich sind. …
Zwölftens: Der Prophet ist in der Welt und bei denen, die weltlich gesinnt sind, nicht unbedingt beliebt. …
Dreizehntens: Der Prophet und seine Ratgeber bilden die Erste Präsidentschaft der Kirche – das höchste Kollegium in der Kirche …
Vierzehntens: Wer dem Propheten und der Präsidentschaft – dem lebenden Propheten und der Ersten Präsidentschaft – folgt, wird gesegnet, wer sie ablehnt, muss leiden.“ („Fourteen Fundamentals“, Seite 29.)